Mittwoch, 6. Dezember 2017

Wie viel Haarspalterei haben wir in den Karate-Stilen?

Eine Frage, die man sich – ohne es wirklich böse zu meinen – durchaus mal stellen kann. Wie viele Haarspaltereien gibt es in den Karate-Stilen. Oftmals trifft man auf Haarspaltereien und Erbsenzähler, die päpstlicher sein wollen als der Papst, das Wesentliche aber über Jahrzehnte hinweg nicht erkannt haben. Wenn man aber etwas nur teilweise verstanden hat, dann muss man es mystifizieren und hoch puschen. Und das spiegelt sich manchmal in akribisch bis ins kleinste Detail übertriebene Zentimeter genaue Bewegungsabläufe, Techniken oder Stellungen wieder. Sie ziehen sich an Kokolores hoch und erkennen das Wesentliche nicht. Und alle anderen machen es falsch.
Hierzu zwei Zitate. 
-----
„Haarspalterei zersetzt den Charakter eines Menschen. Ein Mensch, der in kleinen Dingen nicht großzügig sein kann, dem kann man keine wichtigen Aufgaben anvertrauen.“
Konfuzius
....
Auf dem Amtsschimmel reitet der Pedant, der Bürokratismus ist der Sattel und die Hindernisse sind Kleinlichkeit, Spitzfindigkeit und Haarspalterei.
Joachim Panten 
(1947 - 2007), deutscher Aphoristiker und Publizist
....
Und genau aus dem Grund ist Theorie nicht gleich Theorie. Es gibt Erfahrungen, die man aus dem Training und dem Dojo zieht. Und es gibt Erfahrungen die vor dem Spiegel entstanden sind. Es sind oftmals Theorien ohne wirkliche Grundlage. Man könnte es – wenn man böse wäre - „Beamten-Karate“ oder „Bürokratie-Karate“ nennen. Es gibt aber auch Theorien, die man irgendwo erfahren oder gelesen hat, die man dann im Training übernehmen und testen kann. 
Die Frage ist also, wo fängt die Haarspalterei an und wo endet das realistische Training. 
Ich glaube, dass das eines der größten Probleme im heutigen Karate ist. Ich habe das Gefühl, dass man Jahrzehnte lang mit dem Maßband im Dojo herum läuft; das wesentliche dabei aber völlig übersieht. 
Theorie ist gut; aber die Theorie muss in der Kampfkunst aus der praktischen Erfahrung heraus kommen. Das muss man erkennen, wenn man sich mit Theorie befasst.
Wenn sich aber die Praxis nach einer theoretischen Erfahrung richten muss; dann geht es immer in die Hose; oder auf die Nase. 
Manchmal fällt es aber schwer, das zu unterscheiden. 
Theorie ist nicht gleich Theorie. Es kommt immer auf die „Theoretischen Wurzeln“ an.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen