Mittwoch, 6. Dezember 2017

MMA und Karate-Kata

Immer wieder tauchen Vergleiche im Internet auf, die in den MMA-Kämpfen (bzw. auch andere wie K1) mit Karate-Kata vergleichen, und Kata-Techniken dort finden. Man glaubt nun, dass diese Kämpfer, um solche Techniken zu kennen und anwenden zu können, Karate-Kata kennen und trainiert haben. Denn logischerweise sagt man, dass die Kata viel älter sind, als diese Kämpfe, wie MMA oder K1. Also müssen diese Kämpfer die Techniken von diesen Kata her kennen.
Das ist falsch.
Die Kata sind NICHT älter als diese Kämpfe. Diese Kämpfe sind sehr viel älter als Kata. Nur die Namen und die Organisationen haben sich geändert. Aber die „Fresse poliert“ hat man sich schon immer in der Geschichte der Menschheit.
Daher muss ich mich doch sehr darüber wundern, dass man glaubt diese Kämpfe wären technisch erst mit den Kata möglich gewesen. Da muss ich mich doch sehr wundern. Es kann sogar sein, dass viele dieser Kämpfer noch nie eine Kata gelernt und trainiert hatten.
Man sollte das Pferd nicht von hinten aufsatteln. Die Techniken aus diesen Kämpfen waren immer schon die Vorlage um Kampfkunst zu entwickeln. Die Kampfkunsttechniken und die Kata sind aus diesen Kämpfen heraus entstanden.
Darum wundert es mich doch wirklich sehr, dass man jetzt erst erstaunt feststellt, dass diese Techniken in den Kämpfen enthalten sind. Das mag daher kommen, dass man die Kampftauglichkeit der Karate-Techniken (Kata-Techniken) nicht erkannt hat.
Ich möchte hier klar unterscheiden zwischen Illusion und Kampf. 
Kakedameshi war zu den Zeiten des alten Okinawa keine Illusion; das war brutale Realität. Und auch die modernen MMA oder K1 Kämpfe sind realistisch.
Dass wir nun zu diesen neueren Kämpfen sehen und verwundert glauben die hätten bei uns abgeschaut, wundert mich doch sehr. Es ist eher umgekehrt. Karate hat bei diesen Kämpfen abgeschaut und gelernt; und das zum Teil vor einer Zeit, als bei uns Napoleon durch Europa zog.
Irgendwann, nachdem Karate aus Okinawa heraus in der weiten Welt verbreitet wurde, hat man das dann vergessen; wie dieses erste Video zeigt. Karate wurde nicht mehr aus diesen Kämpfen heraus entwickelt; sondern aus einer „logisch erscheinenden Vorstellung“. Nun finden wir so allmählich die alten Wege wieder und wundern uns, dass die MMA-Kämpfer alle Karate-Kata können. 
Können sie nicht. Wir haben nur Jahrzehnte lang vergessen woher Karate kommt. 

https://www.youtube.com/watch?v=aj8xwGeLjCY
https://www.youtube.com/watch?v=juyanT_0zoM

Wie viel Haarspalterei haben wir in den Karate-Stilen?

Eine Frage, die man sich – ohne es wirklich böse zu meinen – durchaus mal stellen kann. Wie viele Haarspaltereien gibt es in den Karate-Stilen. Oftmals trifft man auf Haarspaltereien und Erbsenzähler, die päpstlicher sein wollen als der Papst, das Wesentliche aber über Jahrzehnte hinweg nicht erkannt haben. Wenn man aber etwas nur teilweise verstanden hat, dann muss man es mystifizieren und hoch puschen. Und das spiegelt sich manchmal in akribisch bis ins kleinste Detail übertriebene Zentimeter genaue Bewegungsabläufe, Techniken oder Stellungen wieder. Sie ziehen sich an Kokolores hoch und erkennen das Wesentliche nicht. Und alle anderen machen es falsch.
Hierzu zwei Zitate. 
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„Haarspalterei zersetzt den Charakter eines Menschen. Ein Mensch, der in kleinen Dingen nicht großzügig sein kann, dem kann man keine wichtigen Aufgaben anvertrauen.“
Konfuzius
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Auf dem Amtsschimmel reitet der Pedant, der Bürokratismus ist der Sattel und die Hindernisse sind Kleinlichkeit, Spitzfindigkeit und Haarspalterei.
Joachim Panten 
(1947 - 2007), deutscher Aphoristiker und Publizist
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Und genau aus dem Grund ist Theorie nicht gleich Theorie. Es gibt Erfahrungen, die man aus dem Training und dem Dojo zieht. Und es gibt Erfahrungen die vor dem Spiegel entstanden sind. Es sind oftmals Theorien ohne wirkliche Grundlage. Man könnte es – wenn man böse wäre - „Beamten-Karate“ oder „Bürokratie-Karate“ nennen. Es gibt aber auch Theorien, die man irgendwo erfahren oder gelesen hat, die man dann im Training übernehmen und testen kann. 
Die Frage ist also, wo fängt die Haarspalterei an und wo endet das realistische Training. 
Ich glaube, dass das eines der größten Probleme im heutigen Karate ist. Ich habe das Gefühl, dass man Jahrzehnte lang mit dem Maßband im Dojo herum läuft; das wesentliche dabei aber völlig übersieht. 
Theorie ist gut; aber die Theorie muss in der Kampfkunst aus der praktischen Erfahrung heraus kommen. Das muss man erkennen, wenn man sich mit Theorie befasst.
Wenn sich aber die Praxis nach einer theoretischen Erfahrung richten muss; dann geht es immer in die Hose; oder auf die Nase. 
Manchmal fällt es aber schwer, das zu unterscheiden. 
Theorie ist nicht gleich Theorie. Es kommt immer auf die „Theoretischen Wurzeln“ an.