Donnerstag, 16. November 2017

Was muss man alles auswendig lernen, im Karate?


  • Muss man die Bunkai-Variationen alle auswendig lernen?
  • Muss man die Techniken alle auswendig lernen?
  • Muss man Kihon auswendig lernen?
  • Muss man Gangart und die Zeiten der Kata auswendig lernen? 
  • Muss man Kombinationen auswendig lernen?
  • Muss man das Prüfungsprogramm auswendig lernen?
Was muss man eigentlich alles auswendig lernen, im Karate?  Das Prüfungsprogramm ja. Aber das kann man nach der Prüfung wieder vergessen. Aber wenn es um das „auswendig lernen“ geht, dann geht es auch darum, dass man das gelernte auch behält. 

Das einzige was man im Karate auswendig lernen, und auch behalten soll, ist der Ablauf der Kata. Alles andere muss man erfahren.

Dieses Zitat von schon mal für Diskussionen sorgen. 

Nehmen wir einmal an, der gute alte Goethe würde wiedergeboren und müsste jetzt beweisen, dass er der echte Goethe ist. 
Wir lassen unsere Fantasie etwas spielen und stellen uns zwei Männer vor, die in einem Raum stehen, der wie ein Gerichtssaal aussieht. Beide behaupten Goethe zu sein; aber nur einer ist es wirklich. Der Andere ist ein Hochstapler und ein hoch studierter Mann, der einfach alles über Goethe weiß. Vor ihnen sitzt eine Jury. Nennen wir den anderen Mann Paul. Paul glänzt mit seinem Wissen vor der Jury, sodass kaum noch Zweifel besteht, dass er der wahre Goethe sein muss, und der echte Goethe ein Hochstapler ist. 
Goethe hat schon mehr in seinem Leben vergessen, als Paul je gelernt hat. Goethe kann sich einfach nicht mehr an alles detailliert erinnern. Darum sieht es schlecht für ihn aus. 
Dann aber erklärt der echte Goethe „Wissen aus seinen Werken“, die in keinem Buch und keiner Überlieferung stehen. Er redet und redet und überzeugt schließlich die Juroren, dass er der echte Goethe und Paul der Hochstapler ist. Denn Paul hat kaum etwas von dem verstanden, was er über Goethe auswendig gelernt hat. 

So ist es auch im Karate. Das Auswendiggelernte nützt gar nichts. Man muss es begreifen und verstehen. Man muss es fühlen und verinnerlichen. 

Nur dann kann man den Weg das Karate wirklich gehen. 
Nur dann, kann man eine beliebige Stelle aus irgendeiner Kata erklären. 
Nur dann kann man den Weg der Technik vom „gut aussehen“ zum „gut wirken“ gehen. 

Der aus Büchern erworbene Reichtum fremder Erfahrung heißt Gelehrsamkeit. Eigene Erfahrung ist Weisheit. 
Gotthold Ephraim Lessing
deutsche Dichter 1729 - 1781

Es ist wie im Handwerk: Man lernt wie man mit einem Hammer auf einen Meißel schlägt. Man muss aber nicht mehr darüber nachdenken. 

Auswendig lernen müssen wir nur den Ablauf der Kata. Alles andere müssen wir üben. 

Und genau hier liegt ein großes Problem im heutigen Karate; wir lernen zu viel auswendig und lernen zu wenig das Handwerk. Karate ist wie ein Handwerk. Im Handwerk muss man das Wissen haben; aber auch die handwerklichen Fähigkeiten muss man sich aneignen. Dazu gibt es eine Lehrwerkstatt. Dort lernen die Auszubildenden mit Werkzeugen und Maschinen umzugehen. Der Meisterschmied zeigt ihnen wie es geht, lernen müssen sie es selber. 

Im Karate aber schreiben wir größtenteils jeden Hammerschlag am Amboss vor. Wir lassen den Lehrlingen keine eigenen handwerklichen Erfahrungen. Das mag im Wettkampfkarate etwas anders sein, aber es geht um das weite große Feld des Karate. Denn das brauchen wir, wenn wir Karate wirklich verstehen wollen. 

1. Wissen wie etwas geht, ist die erste Stufe.
2. Es auch wirklich verstehen, ist die zweite Stufe.
3. Es auch umzusetzen, ist die dritte Stufe. 

Wenn wir eine Kombination aus den Kata machen, dann wissen wir wie das geht.
Wenn wir deren Möglichkeiten alle erkennen, dann verstehen wir die Kombination.
Wenn wir sie umsetzen können, haben wir eine von vielen Stufen erreicht. 

Was wir wirklich auswendig lernen müssen, um diesen Weg zu gehen, ist die Kata. Alles Andere muss man sich erarbeiten. 

Der Meister zeigt uns, wie man eine Schweißnaht legt. Nun muss man sich diese handwerkliche Fähigkeit erarbeiten. 

Im Karate ist das ähnlich. Wir haben die Kata. Die dürfen wir nicht vergessen und die darf auch nicht verändert werden. 
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Wie wir dieses Werkzeug einsetzen, liegt an uns. 
Wie wir es erlernen und erfahren, liegt an uns.
Wie wir es fühlen und beherrschen, liegt an uns.

Karate ist wie ein Handwerk, das man beherrschen muss. Theorie und Praxis gehören zusammen. 
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Die Kata enthält alle notwendige Theorie. 
Der Sensei ist der Meister, der uns zeigt wie es geht.
Lernen muss es jeder alleine. 

Nur die Kata muss man auswendig behalten. Alles andere muss man sich erarbeiten. 

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