Montag, 6. November 2017

Der Karate-Gegner.

Warum wurden die Kampfkünste eigentlich entwickelt? Es ging ursprünglich immer um den Verteidigungsfall. Und auch genau darum wurden die Techniken entwickelt.
Diese Techniken – die man häufig in den Kata findet – wurden also entwickelt, um gegen alle möglichen Angriffe zu bestehen. Das hat Itosu Yasutsune  schon so geschrieben.

Und genau hier liegt ein Problem, das man seit Jahrzehnten vielerorts übersieht. Besonders häufig wird es in Kampfkünsten wie Karate oder Taekwondo übersehen. Dort zählt der Wettkampf mittlerweile mehr, als der Blick in den „realen Spiegel“.

Was man also braucht, ist eine weitere Steigerung des Trainings. Es muss einen Angreifer geben, der seine Angriffe schrittweise und entsprechend realitätsbezogen immer weiter etwas steigert. Der Angreifer muss weg von seiner eigenen Kampfkunst. Wenn man das wirklich üben will, sollte jemand den Gi gegen einen Trainingsanzug tauschen. Damit das Karate-Denken mehr aus dem Kopf kommt.

Der Angreifer muss ein Schauspieler sein. Ja, ein Schauspieler.
Dann kann man die verschiedenen Szenarien einmal trainieren. Man muss weg vom Karate-Angriff. Das muss man langsam üben. Es mag schwer fallen wie ein Kickboxer zu denken oder zu handeln.
Aber nur wenn man die Vielfalt kennt, kann man auch dagegen angehen.
Nur wenn man sich in die Vielfalt der Bedrohungen hinein denken kann, erkennt man die Techniken, die dagegen wirken.

Ein Krieger muss den Feind kennen. Nur dann kann er sich darauf einstellen.

Regel 13von Gichin Funakoshi       
  • 十三、敵に因って転化せよ.
  • Teki ni yotte tenka seyo.
  • Wandle dich abhängig vom Gegner.
  • Verändere deine Verteidigung gegenüber dem Feind.
  • Make adjustments according to your opponent
  • Passe dich deinem Gegner an.
Wenn man nur mit Karate-Gegnern trainiert, und Bunkai nur darauf aufbaut, verpasst man etwas Wichtiges im Training.

Zitat:
„Wenn Du Deinen Feind kennst und dich selbst kennst, brauchst du das Ergebnis von 100 Schlachten nicht zu fürchten.“
Sun Tzu    (um 500 v. Chr. Chinesischer General und Militärstratege, „Die Kunst des Krieges“)

Man muss sich also im Karate mehr um die vielen Angriffsmöglichkeiten und Bedrohungen kümmern, um die Techniken aus den Kata richtig zu verstehen. Denn Karate wurde nicht nur entwickelt, um Karate abzuwehren.
Das wird aber fast überall so trainiert.

Wer nur Karate trainiert ohne den Feind zu beachten, wird in einer wirklichen Bedrohung versagen.

Gilbert Gruss sagte einmal, dass sich jeder einmal daran erinnern sollte, warum man mit Karate begonnen hat. Dem kann ich mich nur anschließen

Ossu

Rüdiger Janson

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