Donnerstag, 26. Oktober 2017

Wie viel Karate darf es denn im Kinder-Karate wirklich sein?

Als Karate gegen Ende des neunzehnten, und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wurde, veränderte Itosu Yasutsune einige der damals bekannten Okinawa-Kata. Itosu Yasutsune war einer der beiden Lehrer von Gichin Funakoshi, der zu Beginn der zwanziger Jahre Karate von Okinawa nach Japan brachte. 
Itosu Yasutsune änderte und vereinfachte die Kata seiner Schule. Fortan wurden die Pinan (später Heian) Kata auch, und zum ersten Mal, an den Schulen Okinawas gelehrt. Allerdings nahm er die kämpferischen Schwerpunkte heraus und ersetzte sie durch gesundheitlichen Aspekt.

Aus heutiger Sicht gesehen, ist das nur denjenigen wirklich bekannt, die sich etwas mit der Geschichte der Kata beschäftigt haben. Wenn man aber ein paar Jahre (Jahrzehnte) Erfahrung gesammelt hat, fällt einem auf, dass diese kämpferischen Aspekte nicht etwa verschwunden sind. Nein, sie sind noch da. Sie sind aber nur Leuten ersichtlich, die sich wirklich mit diesen Inhalten beschäftigt haben.

Man kann das schönste, das tollste und das sauberste Auto besitzen; es nützt nichts, wenn man nicht gut und verkehrssicher fahren kann.

Aus diesem Blickwinkel betrachten muss man sich fragen, wie viele dieser Inhalte, die man selbst irgendwann erkannt hat, man an die Jugend und an Kinder weitergeben kann. 
Es sind teilweise Techniken dabei, die eine verehrende Wirkung auf einen Gegner haben können. Somit hat man diese Techniken vielleicht etwas getarnt, sie sind aber noch da.

Daher vermeide ich es, alle Möglichkeiten offenzulegen. Mir geht es aber nicht nur um die Gesundheit; wie Itosu und Funakoshi es oftmals weiter gaben. Es geht mir um die Geschicklichkeit, um Selbstverteidigung und um den Einstieg für die Jahre, in denen sie älter und reifer werden.

Man sollte nicht so einfach Erfahrungen und Möglichkeiten weiter geben, für die man selbst 30 Jahre gebraucht hat. Hier muss ich mich ein klein wenig den Okinawa-Meistern anschließen, die ihre inneren Erkenntnisse nur bestimmten Schülern zeigten. Aber was für Kinder gilt, das gilt auch für neue Leute die mit Karate erst beginnen. Erst muss man die Leute besser kennen, ehe man ihnen die „schärferen Klingen“ einer Heian-Kata zeigt.
Kenne ich jemanden besser und länger, kann man immer noch zurück zu den Heian Kata gehen - was man ohnehin immer wieder machen soll – und ihnen die „schärferen Klingen“ zeigen.
Somit muss jeder selbst wissen, wie viel Karate es bei Kindern sein darf.

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