Dienstag, 17. Oktober 2017

Karate macht sich lächerlich

Chinesische Mönche und die verbotenen Waffen.

Mein Gott: Ich habe folgenden Satz mehrere Male im Internet gefunden. Immer der gleiche Satz; auf zahlreichen Karate-Seiten. 

Zitat:
"Karate ist eine Kampfkunst, dessen Ursprünge bis etwa 500 Jahre n. Chr. zurückreichen. Chinesische Mönche, die keine Waffen tragen durften, entwickelten aus gymnastischen Übungen im Lauf der Zeit eine spezielle Kampfkunst zur Selbstverteidigung." 
Zitat Ende.

Sie kopieren diesen Satz immer und immer wieder und fügen ihn auf zahlreichen Karate-Internetseiten ein.
Das Hintergrundwissen ist im deutschen Karate katastrophal. Man muss ja kein Experte sein. Aber wenn man keine Ahnung hat, sollte man auch nicht so etwas Absurdes erzählen. 

Jeder, der sich auch nur annähernd mit Kampfkunst auskennt weiß, dass die Chinesischen Mönche Waffenexperten waren; und heute noch sind.

Infos hierzu findet man auf zahlreichen „Kung Fu Seiten“.

Das deutsche Karate wird zur Lachnummer. 
Denn wenn solch ein Unsinn erzählt wird, kann es mit dem technischen Wissen auch nicht weit her sein. Denn wenn es nicht aus der Geschichte überliefert wurde, dann muss es selbst erfunden sein. Überliefert wurden nur fast leere Behälter, die mit etwas Grundwissen gefüllt sind. Vielleicht ist es nicht wichtig ein Geschichtsexperte zu sein, um Karate zu lernen; jedenfalls was wir darunter verstehen. Aber wenn man die Lehren der Vergangenheit begreifen will, muss man zwangsweise auch etwas über diese Vergangenheit wissen. 
Das Grundwissen eines Computers, zum Beispiel, ist zwangsweise mit der Geschichte der Computer verbunden. 
Auch in anderen Bereichen geht es nicht ohne das Geschichtswissen; denn aus den Erfahrungen heraus entstehen neue bessere Methoden. Ignoriert man diese Erfahrung, muss man eigene Grundlagen schaffen. 
In der Medizin würde jeder Herzchirurg die Erfahrungen seit Professor Bernard ignorieren und eigene Erfahrungen sammeln. Dieses Verhalten hätte jeden Fortschritt gestoppt.  

Was entsteht - wenn man das ignoriert - ist ein „neuzeitlich eigen erarbeitetes Denken“, das immer wieder, und in unterschiedlichen Dojos, neue Erkenntnisse einbringt, die nicht auf der Erfahrung früherer Arbeiten beruht. Die Rechtfertigung besteht auf logischen und argumentativen Grundlagen, die nach eigenem Ermessen entstehen. 

Was im Karate übrig bleibt, wenn man das nicht beachtet, ist ein Olympischer Hochleistungssport, der Akrobatik, Ausdauer und Schnelligkeit erfordert.

Aber was ist mit der Kampfkunst? Was ist, wenn das Bild von Gichin Funakoshi überall aushängt, man aber so gut wie nichts über ihn weiß? Was verehrt man da eigentlich? Und was versteht man von dem Karate, nach dessen Geschichte wir gefragt werden. 

Wir prahlen damit, dass Karate uralt ist. Wir hängen Bilder von den Stilrichtungsgründern aus; ignorieren aber bereits deren Geschichte und deren Lehren. 

So wird Kime, Hikite und Kihon in einem neuen Gewandt präsentiert, das auf diesem wackeligen Grundwissen der Geschichte des Karate besteht.
Aber nicht nur diese Dinge stehen auf einem wackeligen Fundament. Nein. Auch das Ansehen des Karate leidet darunter. Wer kann denn Karate noch ernst nehmen, wenn auf höchster Ebene die Note 6 in Geschichte geschrieben wird.

Für uns ist aber eines wichtig: Wie viel Hintergrund- und Geschichtswissen muss ins Karate?
Es kann definitiv nicht sein, dass ein hoch graduierter und auch ein erfolgreicher Karateka, im Regional-Fernsehen die Story von den „Waffenlosen Mönchen“ erzählt. 

Jeder „Kung Fu Mann“ schreit sich weg vor Lachen.

Hier muss etwas geschehen. Denn „Copy & Paste“ hat bereits genug Schaden angerichtet.

Sonntag, 15. Oktober 2017

„Kata“ ist nur ein Name.

Eine Kata ist wie eine Flasche Wein. Sie kann von außen schön sein. Aber es kommt auf den Inhalt an.  
Gilbert Gruss bei einem SV-Lehrgang in Mannheim. 

Und da muss man sich die Frage stellen, ob Namen und Bezeichnungen wie Schall und Rauch sind. Man muss sich das fragen, weil wir nicht mehr wissen, was man im 19. Jahrhundert, und davor, unter der Bezeichnung Kata wirklich verstanden hat. 

Kata ist nur ein Name; wie eine Weinflasche nur ein Gefäß ist. Wir haben dieses Gefäß neu gefüllt und uns dabei nicht an das Rezept gehalten. Vermutlich trinken wir den „Kata-Wein“ sogar aus einem Bierglas. 
Wir tun es, weil wir es für richtig halten. Und wir tun es, weil andere es auch so machen. Und wir ignorieren oder belächeln den, der den „Kata-Wein“ aus einem Weinglas geniest.

Die alten Traditionen waren nicht falsch, weil wir es heute besser zu wissen glauben. Funakoshis Bilder hängen in vielen Dojos und auf Lehrgängen aus. Aber im Regionalfernsehen erzählt dann schon mal ein erfolgreicher Karateka, dass Karate entstanden ist, weil die Shaolin-Mönche keine Waffen tragen durften. Und die Biografie und die Lehren Funakoshis kennen und verstehen auch nur wenig Karateka. 

Kata ist nur ein Behälter der immer wieder neu gefüllt wird. Manchmal wird der Behälter auch gar nicht gefüllt. Manchmal ist nur Wasser darin enthalten oder etwas anderes was, mehr schlecht als recht, zusammengebraut wurde. 

Ein guter Wein muss lange lagern bis er wertvoll ist. Mit der Kata ist es ähnlich. Die wertvollen Kata sind da. Aber wir können sie nicht finden. Wir nehmen zu oft eine einfache Flasche, kleben ein Etikett drauf und füllen etwas hinein von dem wir glauben, dass es dem Rezept entspricht. 

Dabei ist es so einfach. Wenn man versucht einen eigenen Wein herzustellen, der besser ist als alle anderen alten Weine je waren; dann kommt man plötzlich auf das alte Rezept, als die Kata entstanden sind. 
Man sollte also nicht versuchen etwas zu kopieren. Man sollte versuchen etwas Eigenes zu erzeugen, das noch viel besser ist. Und man sollte es immer mit „dem Alten“ vergleichen. Irgendwann hat man dann das Geheimnis verstanden, nach dem alle Kata entstanden sind. 
Die alte Zauberformel, die auf alles passt. Es gibt sie. Wenn man die verstanden hat, versteht man alle Kata. Und man kann guten Wein erzeugen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Techniken und ihre Risiken

Schon oft habe ich gehört, dass jemand sagte, dass er dem Gegner doch nicht den Rücken zuwendet. Es ging dabei um eine Technik, die über den Rücken gemacht wird. Nun, in den Kata gibt es diese Techniken auch. Aber es ist immer eine Frage, ob sie auch angebracht sind. Wenn man es genau nimmt, könnte man Techniken nach folgenden Schwerpunkten analysieren. 

Risiko
Zeit
Wirkungsgrad
Akrobatik
Nutzenergie

Risiko
Jede Technik hat einen gewissen Grad an Risiko. Man geht immer, mehr oder weniger, ein Wagnis ein. Man sollte aber diese Risiken immer genau abwägen und bedenken. Während eines Kampfes kann man das nicht; dazu bleibt keine Zeit. Es ist also nur im Training möglich dies zu tun. Hier ist es wichtig was und wie wir etwas trainieren. Der Gegner sucht nach Schwachstellen. Wenn man eine schwierige und komplizierte Technik anwendet, ist das Risiko umso größer. Techniken über den Rücken (z.B.) müssen wirklich einen Sinn ergeben oder wirklich notwendig sein. Man sollte das Risiko immer so klein wie möglich halten. Ja, man sollte lernen das Risiko zu fürchten. Nicht nur der Gegner ist zu fürchten; nein, auch unsere Bereitschaft zu experimentieren um gut auszusehen. Es geht nicht darum mit einer ganz tollen Technik den Helden zu spielen. Es geht ums Überleben. Man sollte das Risiko niemals unterschätzen, das man eingeht. Darüber sollte man sich aber schon im Dojo bewusst sein. 

Zeit
Natürlich braucht jede Technik ihre Zeit, wenn es auch nur Bruchteile von Sekunden sind. Daher ist es immer ratsam, keine Experimente zu machen. Man darf wirklich keine Zeit verlieren. Was im Dojo, oder auf der Budo-Bühne, toll aussieht, kann im wahren Kampf einem geschickten Gegner Tür und Tor öffnen. Es gibt Techniken, mit denen man Zeit gewinnen kann. Und es gibt Techniken, mit denen man Zeit verliert, wenn sie nicht angebracht sind. Es muss klar sein, wenn der Partner im Dojo in einem Angriff stehen bleibt; in einem echten Kampf macht das niemand. Alles was dauerhaft gegen diese Erkenntnis trainiert wird, ist nicht förderlich, sondern schädlich. 

Ergebnis
Das Ergebnis hängt in erster Linie erst einmal davon ab, ob eine Technik im realen Kampf überhaupt funktioniert. Man darf sich hier nichts vormachen. Im Training muss man immer mit dem Gedanken im Hinterkopf trainieren, als ob man einen wirklichen Gegner vor sich hat. Man muss wissen, ob man für das Publikum auf der Tribüne, oder für die Selbstverteidigung trainiert. Man muss sich auch fragen was man damit erreicht; und wie geht es weiter. In welcher Lage befindet man sich nach der Technik, die man angewendet hat. Wenn beide auf dem Boden liegen und der Gegner zwar unter Kontrolle oder verletzt ist nützt es nichts, wenn ein zweiter Gegner auftaucht. Das Publikum applaudiert; der zweite Gegner aber nutzt die Situation voll aus. 

Akrobatik
Man wird ja auch älter. Dann ist es ohnehin vorbei mit der Akrobatik. Aber Akrobatik verstößt meist über die drei vorher genannten Punkte. Manchmal lässt man sich von Film, Show und Fernsehen in eine „Supermann-Welt“ entführen, die eine falsche Begeisterung vermittelt. Das mag alles irgendwo funktionieren. Aber muss man eine Dose wirklich im Schraubstock mit der Metallsäge öffnen? Die Techniken einer Kampfkunst müssen in erster Linie so vermittelt werden, dass sie jeder möglichst kann. Und jeder sollte nur die Techniken wirklich üben, die er auch wirklich in einem echten Kampf beherrschen kann. Der Salto rückwärts gehört nicht dazu. Wenn man über akrobatische Fähigkeiten verfügt, ist das eine tolle Sache. Es darf aber niemals zur Voraussetzung werden. Und wenn man so etwas macht, dann muss man es genau so gut können, wie die leichteste Technik die es gibt. Wenn nicht; dann lasst es sein. 

Nutzenergie
Nun muss man auch mit der Kondition haushalten. Keiner weiß wie lange eine Gefahrensituation dauert. Jedes energieraubende Verhalten ist in einer echten Gefahrensituation mehr als ungeschickt. Wenn die Kondition und die Konzentration durch Herumspringen und Kampfbalzverhalten im Eimer ist, dann kommt noch vom Gegner der erlösende „Bud Spencer Hammer“; der jede „Bruce Lee Imitation“ sofort beendet. Körperliche und Geistige Energie muss man kontrollieren, beherrschen und entsprechend einteilen können. Auch das ist eine Kunst für sich. Wer auf einem Lehrgang aus lauter falschem Ehrgeiz und falscher Angst seinen Partner zusammentreten muss, wird in einer wirklichen Kampsituation kläglich versagen. Man muss die Energie richtig nutzen können. In den 20 Regeln des Funakoshi Gichin heißt es in Regel 19: „Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.“


Effizient und Effektiv 
Letztendlich muss man sich die Frage stellen, was effizient und was effektiv bedeutet.
Effizient ist etwas, wenn es nur einen kleinen Aufwand benötigt. In unseren Beispielen also, wenn es ohne großes Risiko und ohne großen Aufwand, das beste mögliche Ergebnis erzielt. 
Effektiv ist alles, was ein gewünschtes Ergebnis erzielt. 
Nun sollte man sich entscheiden, ob man ein Akrobat ist, oder ein Durchschnittsmensch. Als Durchschnittsmensch sollte man das machen was man lernen und wirklich beherrschen kann.
Bevor man alles nutzen mag was effektiv sein kann, muss man erst einmal das beherrschen, was für jeden selbst effizient ist. 

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Das Gefühl und die Schablone.

Manchmal passt es nicht, mit der technischen Vorschrift. Nun ja, wenn man die vielen Kampfkünste und Stilrichtungen betrachten, dann ist das durchaus verständlich. Viele Techniken sind scheinbar gleich. Doch Routiniers sehen, dass es feine und wesentliche Unterschiede gibt. Aber was ist nun richtig und was ist falsch? Welcher Fußtritt ist der bessere?

Wir haben in den Kampfkünsten unsere Schablonen. Eine Abweichung hiervon wird als falsch betrachtet. Diese Abweichung kann aber in einer anderen Stilrichtung oder anderen Kampfkunst als gut und richtig angesehen werden.

Diese Gedanken brachten mich dazu, über zwei berühmte Meister nachzudenken, deren Geschichte vielen Kampfkunstbegeisterten bekannt ist.
Es sind die Geschichten von Okuyama Tadao und Miyamoto Musashi.

Okuyama Tadao war sich in vielen technischen Fragen nicht mit den damaligen japanischen Karate-Größen einig geworden. Er zog sich für eine Weile in die Einsamkeit der Berge zurück und suchte sein eigenes Karate-Do. Er wollte weg von den Schablonen, hin zur freien Bewegung.

Miyamoto Musashi war für seinen unorthodoxen Kampfstil bekannt. Er war der Sohn eines Samurai und schaute sich vieles von den Samurai und Rōnin ab, die in sein Dorf kamen. Er studierte viele Zweikämpfe. Im Kampf nutzte er oft zwei Schwerter.

Wer diese beiden Geschichten besser kennt und darüber gelesen hat erkennt, dass beide Meister irgendwann ihren eigenen Weg gefunden haben.
Unser Weg ist aber genau vorgegeben. Denn wir wollen Prüfungen bestehen. Da gibt es kein eigenes „Do“. Man ist in die Schablone gezwungen. Jetzt stellt sich die Frage, ob man sich bedingungslos dieser Schablone angepasst; oder ob man irgendwann eigene Wege findet und akzeptiert. Strebt man die nächste Prüfung an, oder ist das irgendwann eher zweitrangig geworden? Bruce Lee wüsste eine Antwort.

Immer und immer wieder sagt man uns, dass eine Technik anders gemacht wird. Es sind oftmals kleine Feinheiten, um die es geht. Unser Körper und unsere Fähigkeiten sagen aber etwas anderes. Wir haben inzwischen gelernt die entsprechende Technik sehr gut und schnell - ohne ständiges nachdenken über Feinheiten – effektiv zu gebrauchen. Dann kommt vielleicht noch der Spruch, dass man das im Taekwondo oder im „Wing Tsun“ so macht, aber nicht bei uns. (Oder umgekehrt)

Okuyama Tadao hatte damals den Gedan-barai ohne große Ausholbewegung gemacht. Bei den JKA-Leuten stieß er damit aber auf heftige Kritik.

Schablonen braucht man nur am Anfang. Wenn man besser ist, kann man darauf verzichten. Denn der Künstler braucht mehr freie Hand. Wie frei sind unsere Hände? Das ist eine Frage die sich jeder einmal stellen sollte.

Nun muss man sich fragen, wie solche Techniken überhaupt entstanden sind.
Erst einmal sind sie aus der Erfahrung heraus entstanden. Genau diese Erfahrung war Okuyama Tadao und Miyamoto Musashi wichtig. Beide waren große Kämpfer. Und so ist es auch damals beim Okinawa-Te gewesen. Die Kampfkünste aus chinesischer und japanischer Erfahrung, hat man mit eigener Erfahrung gemischt. So sind die Okinawa-Kata entstanden, die sich sehr von den Chinesischen Kampfstilen unterscheiden.

In unserer Zeit kamen „Logische Schlussfolgerungen“ hinzu, die auf wenig echter Kampferfahrung beruhen. Kata, Techniken und Trainingsmetoden wurden geändert und kaputtverbessert.  

Und dann kommt man irgendwann zurück zur eigenen Erfahrung die uns besagt, dass etwas anders, viel wirkungsvoller war, als man es mit einem Partner geübt hat.


Nun muss jeder selbst wissen, ob er einer Schablone hinterher läuft, oder den eigenen Weg (Do) sucht. 

Samstag, 30. September 2017

Die Verbindung der Kata-Techniken.

Wir wandern einmal durch die Kata wie durch einen zoologischen Garten. Auf der Erde gibt es Millionen Tierarten. Und dennoch können wir sie zusammenfassen. 
Es gibt Tiere die im Wasser leben und Tiere die an Land leben. Und es gibt Tiere die fliegen können. Es gibt Raubtiere, Alles- und Pflanzenfresser. Man unterteilt sie in Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische, Insekten, Spinnentiere und Wirbellose Tiere.
So lassen sich viele Millionen Tiere einordnen. Sie werden unterteilt in Tierarten, Tierfamilien und Tiergattungen.
So werden Gemeinsamkeiten von vielen Millionen Tieren gefunden. 

Und genau so, müssen wir unsere wenigen Karate-Kata-Techniken unterteilen, und ihre Gemeinsamkeiten finden. 

Zitat aus dem Buch Karate-Do Nyumon:
Wenn man die etwas mehr als dreißig Kata betrachtet die wir üben, wird man erkennen, dass sie im Wesentlichen lediglich Variationen von nur einer Handvoll sind.
Gichin Funakoshi

Regel 18 von Funakoshi Gichin
十八、型は正しく、実戦は別もの.
Kata wa tadashiku jissen wa betsu mono.
Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil.
Übe die Kata korrekt, der echte Kampf ist eine andere Angelegenheit.
Die Kata muss ohne Veränderung korrekt ausgeführt werden, im wirklichen Kampf gilt das Gegenteil.
Perform prescribed sets of techniques exactly; actual combat is another matter.
Perform Kata exactly; actual combat is another matter.
Führe die Formen (Kata) exakt aus. Der wirkliche Kampf, findet auf einer anderen Ebene statt.

Diese "andere Ebene" bedeutet, dass man den Techniken eine "Kampf-Variante" lassen muss, die von der Grundform abweichen darf. Im Grunde genommen ist es ganz simpel. Man findet diese Gemeinsamkeiten, wenn man die verschiedenen Kata einer Stilrichtung trainiert. 

Techniken nach außen oder innen. Jodan, Chudan, Gedan.
Drei Techniken (Kombinationen) nach vorne.
Beidhandtechniken Jodan, Chudan, Gedan.
Im Grunde genommen kann man vieles in einer beidhändigen oder einhändigen Kreisbewegung von außen nach innen, und von innen nach außen, zusammen fassen. Hieraus entstehen die Variationen.

Solche Gemeinsamkeiten in den Kata muss man finden. wie bereits erwähnt, darf man dazu die Technik kampfbetont anpassen und verändern. (Im Kampf gilt das Gegenteil) 

Wenn man das verstanden hat, gruppiert man nicht nur Karatetechniken; nein, auch Kampfkünste verbindet man miteinander. 

Ihre Namen und Bezeichnungen sind wie Schall und Rauch. Was bleibt sind die Gemeinsamkeiten. Von diesen Gemeinsamkeiten gibt es zwar immer verschiedene Varianten, - (………….  Bitte, jetzt nicht wieder mit der Basis anfangen ……………….) aber je weiter man kommt in seiner Kampfkunst, umso mehr Verbindungen dieser Variationen findet man. 

Es gibt keine Wing-Tsun-Techniken im Karate. Auch wenn es so aussieht und immer wieder behauptet wird; es sind Karatetechniken. Diese Techniken haben Gemeinsamkeiten. Im Wing-Tsun gibt es auch keine Karatetechniken. Es gibt nur diese grundlegenden Gemeinsamkeiten. Solche Techniken können durchaus eine gemeinsame Geschichte haben; das muss aber nicht so sein. Und bitte jetzt NICHT von einer weltweiten Verwurzelung oder einer weltweiten gemeinsamen Entstehungsgeschichte sprechen. Das ist wirklich Unsinn. In Europa, Afrika und Amerika hatte man schon Kampftechniken lange bevor Marco Polo nach China gereist ist. Und so sind auch später außerhalb Asiens Kampftechniken entstanden, die nichts mit Shaolin zu tun haben. Dass ich so etwas überhaupt erwähnen muss, regt mich etwas auf. 

Richard Trevithick, Timothy Hackworth, William Hedley und George Stephenson waren Männer, die unabhängig voneinander an derselben Idee arbeiteten. Sie wollten die erste Dampflok auf die Schienen bringen. Und so war es fast immer in der technischen Geschichte. Es waren meist mehrere Leute mit der gleichen Idee. 

Und so ist es auch in den Kampfkünsten. Es gibt diese Gemeinsamkeiten in den Techniken. Es gibt feine Unterschiede. Manchmal auch gröbere Unterschiede. Es gibt aber immer diese Gemeinsamkeiten.

Im Karate müssen wir, Technik für Technik, den Weg zurück über diese Gemeinsamkeit finden, um den Weg zu anderen Varianten zu finden. (………….. Nein, ich meine nicht die uns eingetrichterte Basis. …………) 

Wenn man diese Gemeinsamkeiten gefunden hat, kann im Kampf eine Technik entstehen, die ich einmal als „egal-uke“ bezeichnet habe. Es war ein Block, der funktionierte, aber irgendwie nicht so recht in die „Namentliche Schablone“ passte. 

Die Technik darf nicht verändert werden. Im Kampf ist das etwas anderes. 

Donnerstag, 28. September 2017

Es gibt keine Basis im Karate.

Autoschlossermeister zum Gesellen in der Werkstatt: „Und denke immer daran: Du musst immer Wartungsarbeiten üben. Du musst immer üben, wie man Öl- und Filterwechsel macht. Das ist sehr wichtig. Übe immer die Wartungsarbeiten; bevor Du etwas reparierst!“
Später kommt ein Kunde zu diesem Gesellen und meint, dass sein Auto irgendwelche Geräusche macht. Dann sagt der Geselle einen Tag später, dass er den Fehler nicht findet, aber einen Öl- und Filterwechsel gemacht hat. 

So läuft unser Karate, wenn es immer und immer wieder durchs Dojo hallt, dass die Basis stimmen muss und dass man die Basis immer wieder trainieren muss.

Ich kann das nicht mehr hören. Sorry. Auch nicht die Geschichte vom Gesangsschüler, der nur eine Arie üben durfte und an seinem Lebensende einer der größten Sänger war. Na dann hätte ich auch drauf geschissen. Sein Meister konnte schon zu frühen Lebzeiten sehr viele Arien singen. Wie hat er denn geübt, und wann und warum hat er seinen Meister verlassen? Das kommt in der Geschichte nicht rüber. Wenn wir so lernen würden, dann würden unsere Kinder in der ersten bis zur dritten Klasse nur lernen, wie man einen Stift in Händen hält, bevor sie ihren ersten Buchstaben lernen.

Jede Arbeit ist gleich wichtig. Es gibt in einer solchen Ausbildung nichts, was man hinten anstellen kann, weil „Die Basis“ wichtiger ist. Ein Mahler muss nicht nur Wände streichen können; er muss auch tapezieren können. Aber zuerst lernt er drei Jahre lang, wie man einen Pinsel reinigt. Wenn ein Koch nur gelernt hat Suppe zu kochen, und das immer wieder perfektioniert, wird er am Schnitzel scheitern. Es muss auch im Karate eine Gleichberechtigung der Technik geben.

Ich kann die Bezeichnung „Basis“ einfach nicht mehr hören. Weil kaum jemand begreift, was „die Basis“ wirklich ist. 

Nicht die Wartungsarbeiten sind die Basis. Nein. 
Jede Arbeit, die auf dem Weg der Ausbildung liegt, hat eine Basis. Jede. 

Und je weiter man im Karate vorankommt; umso mehr Techniken kommen hinzu, die eine Basis und eine Kampfversion haben. 
Aber dieses alte Denken – und die alten Parolen - bekommt man aus einigen Betonköpfen nicht mehr raus. 

Ich höre immer wieder den Spruch durchs Dojo hallen: „Die Basis darf nicht vernachlässigt werden!“
Ja klar: Die Reparatur am Automotor aber auch nicht. Denn die Basis ist überall; und nicht nur in einer Handvoll „Grund“-Techniken oder im Filterwechsel eines PKW.

Was sind denn diese „Grundtechniken“?

Es gibt auch keine „Grundtechniken“. Es gibt Techniken, die man im Karate als erstes lernt; weil sie am einfachsten sind. Man lernt die einfachsten Dinge auch im Beruf zuerst, und wächst dann mit jeder Herausforderung die sich stellt, ein Stück weiter. Es ist genau wie beim Ölwechsel am Auto. Das darf schon ein Praktikant, nachdem er es vom Gesellen gelernt hat. Und wenn er dort eine Lehre beginnen darf, dann lernt er auch die Fehlersuche am Auto. Und auch beim Ölwechsel wird er immer sicherer und besser. Aber auch die anderen Arbeiten haben eine Basis, an der er jetzt arbeitet und Erfahrungen sammelt. 

Was man also nicht vernachlässigen darf ist nicht etwa die „Basis“, sondern den Fortschritt. Denn dieser Fortschritt wird viel zu oft vernachlässigt; weil jeder so toll im Ölwechsel ist. 
Ich kann einer achten Klasse in der Schule nicht immer mit dem kleinen Einmaleins kommen, und dabei ihren eigentlichen Stoff immer wieder vernachlässigen; nur weil das einfacher zu unterrichten ist.

Je mehr verschiedene Arbeiten man erlernt, umso mehr wächst man auch mit dem, was man zuerst gelernt hat; mit der sogenannten „Basis“. Man nennt das Erfahrung.

Man muss im Handwerk das üben, was man nicht so gut kann. Und das ist auch im Karate so. Es bringt rein gar nichts, wenn man etwas zu perfektionieren versucht, was man besser kann, und das andere immer wieder vernachlässigt. 
Es gibt keine Basis im Handwerk. Wenn man Englisch lernen will, dann nützt es nichts, wenn ich wunderbar „the“ sagen kann, aber nicht verstehe wenn sich jemand mit mir unterhält. Es bringt auch nichts, wenn ein Meister jahrelang seinem Schüler immer wieder mit irgendwelchen überzogenen Kritikpunkten, oder sogar Tricks, beibringt, dass er "the" noch nicht kann. 

Unser Karate ist wie ein Haus das einen wunderschönen Eingang hat, der auch immer geputzt und instand gehalten wird. Man darf nur nicht in die Zimmer schauen.

Es gibt immer das, was man zuerst lernt. Das was dann dazu kommt, muss man genauso gut können. Es gibt keine Basis. Es gibt nur den Fortschritt auf gleicher Ebene. Denn nur so kann man Probleme lösen. Die sogenannte „Basis“ gibt es nicht. Wenn man diesen Begriff nutzt, dann nur in Verbindung jeder Technik die es gibt im Karate. Denn jede Technik hat ein Anrecht auf Gleichberechtigung. Wirklich jede. Also muss die sogenannte Basis mit jedem Fortschritt mitwachsen. Und diese sogenannte Basis, wird mit jedem Fortschritt größer und umfangreicher. Denn jede Technik die man im Karate lernt, hat ein Anrecht auf Gleichberechtigung. Wirklich jede; besonders die, die man noch nicht so gut kann. Und je weiter man dabei kommt, umso leichter wird es, etwas neues zu lernen. Aber nur dann, wenn man es gleichberechtigt anpackt. 

Vielleicht ist das auch Absicht. Vielleicht will man euch die anderen Techniken gar nicht zeigen. Vielleicht will man euch dumm halten. Man hat eine Parole mit der Basis gemacht; und Parolen wirken immer. Jeder schreit sie in die Welt hinein, und keiner denkt mehr über die Parole nach. 

Zitat Napoleon Bonaparte:
"Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das Deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde."
Quelle unter anderem: https://de.europenews.dk/Zitat-Napoleon-Bonaparte-ueber-die-Deutschen-79392.html

Zitat Ende.